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ESG und SDG - Nachhaltige Kapitalanlage im Spannungsfeld von Politik und Ethik

An politischen Beschlüssen und Aussagen bzw. Ankündigungen fehlt es beim Thema Nachhaltigkeit und ESG nicht. Vielfach hapert es jedoch schlicht bei der praktischen Umsetzung. Dies haben gerade die letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt. Derzeit sind viele Punkte für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie ungeklärt und die Einstufung bestimmter Branchen im Rahmen der Taxonomie scheint oft politisch motiviert und nicht sachlich zu erfolgen. Wir erläutern, an welchen Stellen es derzeit noch hakt.

Ökologie oft mit fragwürdiger Taxonomie

Die Einstufung der EU von Erdgas und Atomenergie als nachhaltig läuft gegen Nachhaltigkeitsziele und ist nur ein Beispiel für politisch motivierte Taxonomie. Doch auch die kürzlich durch die Bundesregierung durchgeführte komplette Abschaltung aller AKWs bei gleichzeitiger Reaktivierung von Kohlekraftwerken scheint angesichts deren CO2-Bilanz mitten in der Klimakrise zumindest fragwürdig.

Auch gibt es Kriterien, deren Einhaltung ohne Konsequenzen sowohl für konkrete Nachhaltigkeit als auch für Unternehmen bleibt. Ein solches Kriterium wäre beispielsweise der Ausschluss „Nicht-Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens“. Das Abkommen wurde von fast alle Staaten unterzeichnet (beispielsweise auch von Indien und China) und lediglich Staaten, wie Jemen, Irak und Iran haben das Abkommen nicht ratifiziert. Dieser Ausschluss ist daher nur ein Feigenblatt ohne Konsequenzen und hilft Unternehmen im Marketing dabei, sich nachhaltiger dazustellen – ohne es zwingend auch zu sein.

SDG Ziele in Gefahr: Wachsende Ungleichheit und Gefahr von Hunger

In der Berichterstattung und öffentlichen Wahrnehmung zum Thema ESG gibt es oft einen großen Fokus auf das Thema Ökologie. Der Bereich Soziales erfährt demgegenüber keine so große Aufmerksamkeit. Doch gerade hier gibt es mit wachsender Ungleichheit und dem anwachsenden Hunger in der Welt zwei Entwicklungen, die den Sustainable Development Goals (SDG) zuwiderlaufen.

Statt den Hunger in der Welt zu reduzieren und für eine gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand zu sorgen, haben viele Maßnahmen in der Pandemiezeit die Probleme drastisch vergrößert. Dabei ist es bisher noch nicht einmal gelungen nachzuweisen, dass die getroffenen Pandemie-Maßnahmen ihren Zweck erreicht hätten. Statt kollektivem Denken und Handeln herrscht Egoismus, Profitorientierung und Klientelpolitik.

Von den 17 Zielen der Vereinten Nationen sind wir jedenfalls weiter entfernt als je zuvor. Ein Bericht zur sozialen Ungleichheit von Oxfam zeigt, dass auch die Vermögensverteilung immer weiter auseinanderdriftet. Erstmals seit 25 Jahren sind extreme Armut und extremer Reichtum gleichzeitig angewachsen. Seit 2020, zu Beginn der Covid-Pandemie, entfielen 63 Prozent der gesamten Vermögenszuwächse auf das reichste 1 Prozent der Weltbevölkerung. Auf die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung verteilten sich die restlichen 37 %. Überraschenderweise ist diese Entwicklung in Deutschland noch deutlicher. Dort hat das reichste 1 Prozent der Bevölkerung 81 Prozent des Vermögenszuwachses erhalten, während sich die restlichen 19 Prozent auf 99 Prozent der Bevölkerung verteilen.

 Wie man sieht, haben die Maßnahmen der Politik zumindest diesen „Erfolg“ erreicht. Kann das überraschen? Kriege haben im Übrigen schon immer diese Art der Vermögensbewegung zur Folge gehabt. Es ist sicher kein Zufall, dass die Maßnahmen rund um einen ausgerufenen Krisenzustand vergleichbare Wirkungen auf die Vermögensverteilung hatten. Auch bei den Hungerkrisen ist keine Besserung in Sicht. Diese wurden durch die Corona-Maßnahmen und den Umgang mit dem Krieg in der Ukraine weiter verschärft. Somit sind die SDG-Ziele 1 „Keine Armut“ und 2 „Kein Hunger“ in weite Ferne gerückt.

Zeitlicher Druck bei ESG = bessere Nachhaltigkeit?

Ein genereller Aspekt, der problematisch in der gesamten Umsetzung der ESG-Kriterien erscheint, ist der enge zeitliche Rahmen der Umsetzung. Sofortiges Umsetzen nachhaltiger Maxime könnte nämlich erhebliche Auswirkungen für Menschen in bestimmten Regionen der Welt haben, die noch nicht in allen Punkten den europäischen Nachhaltigkeitsidealen entsprechen. Manche Regionen sind per ESG-Vorgaben schlagartig von Mittelzuflüssen abgeschnitten. Es scheint nicht weit hergeholt, dass wir solche Auswirkungen wiederum über Entwicklungshilfe abfedern müssen.

Zudem dürften diese Auswirkungen in Bezug auf den weltweiten CO2-Ausstoß negativ sein. Länder, die wir jetzt von heute auf morgen von der Produktion für Europa ausschließen, werden wohl kaum die Motivation haben, die EU-Ziele zu erreichen. Sie werden sich andere Abnehmerländer mit weniger Vorgaben suchen (müssen). Zu kurzfristige Vorgaben gefährden durch damit verbundene Kosten zudem hiesige Arbeitsplätze, wenn Unternehmen sich Produktions-Standorte außerhalb Europas suchen, um weiter profitabel wirtschaften zu können. Es ist auch zu beobachten, dass Unternehmen schlicht aufgeben und an ausländische Unternehmen verkaufen. Nachhaltiges Handeln sollte Menschen nutzen, nicht schaden.

Dieser grundsätzliche Trend, seitens der Politik viel zu enge Zeitvorgaben zu machen, widerspricht gerade nachhaltigen Grundsätzen und nachhaltigem Handeln. Manches braucht Zeit, Anderes könnte schneller gehen, wie beispielsweise Bürokratie-Abbau, Infrastrukturprojekte oder gerade beim Thema Nachhaltigkeit speziell die Sanierung der Bahn.

Solche und andere Diskussionen sind unbedingt zu führen, denn derzeit bedeutet ESG nicht zwingend nachhaltiges Handeln, sondern ein weiteres bürokratisches Monster, das Unternehmensführung und manchmal auch Menschlichkeit eher erschwert.

Michael Franke

Michael Franke
Geschäftsführender Gesellschafter
Franke und Bornberg

Kommentare

Das mit der ESG- und SDG-Nachhaltigkeit ist so eine Sache. Ich sehe den Punkt des Artikels, dass die Umsetzung oft hinter den politischen Ankündigungen hinterherhinkt. Aber könnte es sein, dass wir auch die positiven Seiten dieser Bemühungen etwas stärker beleuchten sollten?
Vielleicht hilft ein Perspektivenwechsel, um Unternehmen und Einzelpersonen zu ermutigen, selbst kreativer und proaktiver zu werden, statt auf perfekte Rahmenbedingungen zu warten. Es ist doch ein Anfang, dass überhaupt über Nachhaltigkeit gesprochen wird, oder?

Vielen Dank für Ihre Anregungen.

Ja, das ist richtig! Unser Ziel ist es deshalb auch die Nachhaltigkeitsbemühungen in der Versicherungsbranche für Vermittler und Kunden greifbarer zu machen. Hierzu werden wir in nächster Zeit noch einiges veröffentlichen. 

Herzliche Grüße, Ihr Team von Franke und Bornberg

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